Predigt von Klaus Konrad zum 26. April 2020


 

 

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Mitchristen,

 

wir haben im Zusammenhang mit unserer derzeitigen Krisensituation der Pandemie digitale Impulse angeboten….  hier diesmal nur als Text (Video-clip funktionierte aus techn. Gründen nicht).

 

 

Am letzten Sonntag hat unser Pfarrer Dr. Elmar M. Morein am sog. Weißen Sonntag in unserer Nordstetter Kirche am Taufstein über das Thema Taufe gesprochen am Beispiel des ungläubigen Thomas, der gezweifelt hat und eine Begegnung mit dem Herrn gebraucht hat.
 

Wir hören heute wie schon am Ostermontag wieder eine ermutigende Begegnung – die Emmausgeschichte (Lk 24,13-35) – sie gilt als die ausführlichste und erzählerisch schönste Ostergeschichte.

 

Wieder geht es um eine Begegnung mit dem Auferstandenen – für mich stellt der Schrifttext des Heidenchristen und Arztes Lukas aus Antiochien, der ein Paulusbegleiter auf dessen Reisen war, eine Art Drama in drei Akten dar, das einen guten Ausgang findet:

 

-      Von der Dunkelheit des Herzens

 

-      führt es zum Licht durch neue Erkenntnis

 

-      in die strahlende Freude über den neu gefundenen Lebenssinn

 

 

Hier in unserer Auferstehung-Christi-Kirche, die 2001 von unserem Bischof Dr. Gebhard Fürst eingeweiht wurde und von der Idee her auf den früheren Pfarrer Ewald Werner und des damaligen Kirchengemeinderats zurückgeht, sehen wir dieses Altarbild (Anlage) passend zum heutigen Evangelium am 3. Ostersonntag, das wie dei kunstvolle Ausstattung dieser Kirche von dem Ellwanger Künstler Rudolf Kurz stammt:

 

 

 

In den Fenstern des Altarraums sind die 4 Evangelisten dargestellt und dann sehen wir auf die Glasbemalung an den beiden Türen: der brennende Dornbusch am Haupteingang, quasi als Eingangstor zum Haus Gottes (Gott offenbart sich Mose nach Gen 28,17b) und der Eingang im Osten die Bildrede vom Weinstock und den Rebzweigen (Joh 15.5-8), d.h. wir stehen in einer lebendigen und fruchtbringenden Verbindung mit dem Auferstandenen; dann sehen wir auch hier die Glaubenszeugen von links n. rechts Edith Stein, Johannes Baptista Sproll, Rupert Mayer, Eugen Bolz, Ulrika Nisch und Adolph Kolping

 

 

 


Das Evangelium und meine Gedanken dazu

Lk 24, 13-35

 

 

Liebe Mitchristen,

 

wir kennen diese schöne Geschichte wie die beiden Emmausjünger zum Glauben kommen

 

-      Wer kennt diese Geschichte nicht?! Sie ist uns von Kindesbeinen an bekannt, d.h. vom Schulunterricht her und natürlich hier auch von diesem Altarbild in dieser Kirche her

 

-      Wer sind diese Emmausjünger? Der eine hieß Kleopas und der andere oder evtl. auch die andere Jüngerin? Vielleicht ist es auch jemand von uns, der hier dabei ist? Wir wissen es nicht!

 

-      Die Trauer macht uns fertig´! Diese Jünger verlassen am Karfreitag Jerusalem und sie sprechen über all das, was geschehen war vom Tod Jesu am Kreuz… das hat sie entmutigt wie auch wir gerade ziemlich von unserer Situation der Pandemie entmutigt sind…. Jesus ihr Herr und Meister, auf den sie gehofft und ihren Lebensinhalt gesetzt hatten, ist am Kreuz geendet – ich denke es war kein fröhlicher Spaziergang: im Gegenteil sogar ein Trauerzug

 

-      Dann schließt sich plötzlich ein Fremder an (im Altarbild Jesus in der Mitte zwischen den beiden Jüngern) – es ist Jesus, aber ihre Augen sind gehalten (oder wie mit Blindheit geschlagen), sie erkennen ihn nicht, er ist inzwischen ja auch in verklärter Weise erschienen nach der Auferstehung ähnlich wie bei den Erscheinungen in Jerusalem, wo er durch Türen schreitet und sich zu erkennen gibt

 

-      Wir brauchen eine Begegnung: In dieser Begegnung der Emmausjünger findet ein Dialog statt, d.h. die Jünger sprechen von dem, was sie erschreckt und was sie entmutigt (sie sprechen alles von der Seele, d.h. sie reden mit dem Fremden über ihr innerstes, was sie traurig macht und was sie berührt, dass Jesus ihr Herr u. Meister gestorben ist; sie sind verzweifelt)

 

-      Hoffnung ist angesagt! Und dann plötzlich – inmitten der Trauerarbeit des Fremden mit ihnen, der ihnen zuhört - kommt die Wende – es wird ihnen Schritt für Schritt leichter und wärmer ums Herz und sie baten ihn „Herr bleibe bei uns…“ und das tut er (er verlässt uns Menschen, wenn wir traurig und geschlagen sind, nicht!)

 

-      Er sitz mit ihnen zu Tisch und nimmt das Brot, brach es und gab es ihnen (wie beim letzten Abendmahl)

 

-      Mit Jesus ereignet sich eine Wende: dann gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn (Jesus aber entzieht sich wieder, aber er hat ihnen geholfen, sich zu öffnen, wieder ein neues Leben führen zu können, wieder zu hoffen und  nach vorne zu schauen

 

-      Sie sprechen von dem, was sie erfüllt: Brannte uns nicht unser Herz als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss

 

-      Es gibt eine Umkehrung: Sie kehren zurück nach Jerusalem und als die anderen Jünger von ihren Erfüllungen berichten, dass der Herr gekommen war, verkünden auch sie die Frohe Botschaft, was geschehen war und dass sie ihn am Brechen des Brotes erkannt haben

 

Wir sehen wie die Enttäuschung, die Angst und der Schrecken uns gefangen halten kann – auch gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit, die es so noch nicht gegeben hat – wie aber unser österlicher Glaube Freude, Mut und Staunen auslösen kann.

 

Das wünsche ich Ihnen und mir in diesen Tagen und Wochen, in denen wir keine Eucharistie feiern und das Brot nicht brechen können – allenfalls medial!

 

Mögen wir diese Zeit mit der Osterbotschaft überwinden

 

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaft auferstanden. Halleluja.

 


Mit einem Segensgebet möchte ich schließen:

 

Gebet

Herr, wir danken dir, denn du bist bei uns,

wenn wir in Distanz zueinander gehen müssen.

Zu dir kommen wir mit unseren Sorgen und Ängsten,

aber auch mit unserer Hoffnung auf deine Hilfe.

 

Wir bitten dich:

-      für alle, die mit uns unterwegs sind,

die in dieser schwierigen Zeit deine Nähe brauchen,

-      die Verzweifelten, für die Kranken und für die Sterbenden.

-      für die Politiker, Verwaltungs- und Wirtschaftsfachleute, die Entscheidungen treffen müssen,

-      für die Ärztinnen und Ärzte, für alle Pflegekräfte, für alle Dienste, die derzeit gefordert sind, auch für die Wissenschaftler, die nach Wegen aus der Krise und nach einem Impfstoff suchen

-      für alle, die anderen in der derzeitigen Situation helfen und Besorgungen treffen

-      für alle, die Beeinträchtigungen in Kauf nehmen müssen

-      für die Verstorbenen und für die Angehörigen und Freunde, die trauern

 

Dir vertrauen wir uns an. Dich loben und preisen wir heute und alle Tage unseres Lebens bis in Ewigkeit. Amen.

 

 

 

Herzliche Einladung ergeht auch für die nächsten Ostersonntage – Pater Jennis spricht am 4. Ostersonntag und danach am 5. Diakon Ewald Wurster

 

 

Werfen wir noch einmal den Blick wieder auf die Osterkerze:

das Symbol der Auferstehung, ein Zeichen für eine gute und gelingende Zukunft, die wir gerade jetzt so sehnlich erwarten.


Lied: Herr bleibe bei uns, denn es will Abend werden…